Fotografieren auf Demonstrationen – ein Praxiskurs über die politische Bildreportage

„Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.“

In unserer Demokratie sind Demonstrationen wichtig. Auf einer Demonstration treten Menschen mit ihrem Anliegen in die Öffentlichkeit (demonstrare lat. = zeigen). Es gibt in Deutschland viele kleine und grosse Demonstrationen: Menschen, die um ihre Arbeitsplätze kämpfen, Menschen mit politischen Zielen, Menschen mit humanitären Anliegen etc.

In diesem fotografischen Praxiskurs geht es um die Frage, wie man auf einer Demonstration so fotografiert, dass das Thema sachgerecht in einer journalistischen Fotoreportage im Internet oder als Bildberichterstattung online und offline dargestellt wird.

Dieser Text besteht aus drei Teilen:

  1. Informative Fotografie und Bildaussagen
  2. Interessante Fotografie und Persönlichkeitsrechte
  3. In Farbe oder in Schwarzweiss und die Frage der Darstellung

Neben den fotografischen Fragen kommt es vor Ort im Gespräch auf Freundlichkeit, Sachlichkeit und den gesunden Menschenverstand an. Die Demonstranten wollen ja in der Regel, dass ihr Thema Aufmerksamkeit erzielt und inhaltlich auch wahrgenommen und weitergetragen wird.

1. Informative Fotografie und Bildaussagen

Für mich gelten als Leitfragen für die fotografische Reportage die W-Fragen: wer, was, wo, wie und warum.

Um was es geht wird mit diesem Foto schon beantwortet. Es geht um den Ostermarsch im Rheinland. Hinzu kommt hier der Hauptredner Horst Schmitthenner. Dies muß aber erläutert werden und ist nicht dem Bild entnehmbar.

Wie dies vonstatten geht sieht man hier: mit einem Demonstrationszug durch die Innenstadt.

Wo die Demonstration stattfindet ist in diesem Fall an den Schildern mit „Königsallee“ und „Landtag“ sichtbar. Damit ist Düsseldorf erkennbar.

Wer daran teilnimmt, ist an diesem Foto gut sichtbar: viele gesellschaftliche Gruppen, alt und jung, Frau und Mann etc. Man könnte dies auch anders darstellen, wie es hier ein anderer Fotograf gemacht hat.

Warum demonstriert wird, wird hier mit den Fahnen von Japan und der Anti-Atomkraft Bewegung direkt deutlich.

Damit wäre der erste Teil des Themas dargestellt. Nun hat ja eine Demonstration immer mehr zu bieten als die Beantwortung der W-Fragen. Diese sind entscheidend für die zentralen Informationen. Aber die wirklich interessanten Motive und Bildsituationen ergeben sich eher aus dem Drumherum.

2. Interessante Fotografie und Persönlichkeitsrechte

Damit komme ich zum zweiten Teil. Es geht um interessante Fotos und die Frage von Persönlichkeitsrechten auf Demonstrationen und in der Öffentlichkeit überhaupt. Sehr schön zusammengefasst sind die wichtigsten Fragen bei Computerbild. Daraus ergibt sich für mich, dass Menschen bei Demos aufgenommen werden dürfen als Teil des Ganzen aber nicht als Einzelteil.

Dieses Foto zeigt einen Helm im Vordergrund mit Botschaften. Klar, darunter ist ein Kopf. Aber der Helmträger wollte, dass eine politische Botschaft sichtbar wird. Daher habe ich den Schwerpunkt auf den Helm und die Botschaft gelegt. Der Helm im Vordergrund ist freigestellt, das Umfeld im Hintergrund ist unscharf. Dennoch wird deutlich, dass es auf einer Demonstration ist und diese Demo bunt ist.

Das Foto mit der sympathisch wirkenden jungen Frau im Vordergrund und den Anti-Atomkraft-Plakaten im Hintergrund gibt die Stimmung wieder. Es ist heiss, es ist ein politisches Thema und die Menschen sind aus der Mitte unserer Gesellschaft. Dabei ist dieses Bild noch weit mehr. Hier ist niemand erkennbar, auch die junge Frau nicht. Sie könnte sich nur selbst erkennen durch ihre Tätowierung. Für Dritte ist sie nicht einordbar. Darüber hinaus ist sie eingebettet in die Demonstration.

„Wer kämpft kann verlieren…“ Hier werden politische Aussagen sichtbar durch den Verkaufsstand am Rande der Demonstration.

Dieses Foto ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Ein Fotograf in Badeschlappen fotografiert die Demo hoch oben stehend. Da dies über den Köpfen der Demonstrationsteilnehmer geschieht ist er Teil des Ganzen. Er ist nicht erkennbar. Das ganze Foto ist sehr komplex und erzählt mehrere Geschichten.

Zum Abschluß noch dieses Foto. Es ist unterhaltsam und wird bei mir eher im Thema Strassenfotografie einzuordnen sein. Die Persönlichkeitsrechte sind alle beachtet, weil das Hauptmotiv von hinten fotografiert wurde und nicht erkennbar ist. Der Demonstrationszug ist erkennbar als gemalte Unschärfe. Allerdings habe ich dieses Foto auch mit einem scharfen Demozug. Auch dies wäre erlaubt, weil ich den gesamten Zug beim Vorbeiziehen aufgenommen habe und kein Porträt einer einzelnen Person. Aber die Unschärfe im Hintergrund läßt das Hauptmotiv noch stärker für das Auge hervortreten, daher habe ich diese Variante gewählt.

3. In Farbe oder in Schwarzweiss?

Damit kommen wir zum dritten Teil. Es geht um Fotografie zwischen Farb- und Schwarzweissfotografie. Die Betonung ist natürlich jeweils anders. Eignet sich Farbe oder Schwarzweiss besser für diese Art der Fotografie?

Es ist dieselbe Geschichte. Aber sie wird anders betont und wahrgenommen.

Wichtiger Hinweis. Es handelt sich bei diesem Artikel in keinem Fall um eine juristische Beratung oder etwas Ähnliches. Hier stelle ich meine persönliche Meinung zu diesem Thema in Theorie und Praxis vor. Das Urheberrecht für alle Fotos liegt allein bei Michael Mahlke Remscheid. Es geht hier nicht um strafrechtliche Fragen bei Gewalt-Demonstrationen. Wenn politische Probleme auf dem Rücken der Bevölkerung und der Polizei ausgetragen werden oder die Polizei dazu mißbraucht wird, gegen die Bevölkerung politische Interessen durchzusetzen und die Demonstration dabei der Schauplatz wird, dann ist gerade sachliche journalistische Berichterstattung sehr wichtig wie die Beispiele um Stuttgart 21 oder die Demonstrationen rund um die Atomkraft zeigen. Dazu gibt es im Netz genug zu finden.

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